Weltmeisterwunsch Innovationsweltmeister

Wir brauchen viele gute Trainerinnen & Trainer für unser Land – Trainer, die begeistern und wirklich führen können. Vielleicht Vorbild im positiven Sinn sein können, diese strukturelle Krise zu meistern.

Mit Trainer meine ich auch Führungspersönlichkeiten, Politiker, Manager, Berater und Menschen die Verantwortung übernehmen für sich selbst, Ihre Umwelt, Mannschaft, unser Land und die Welt.

Deutschland ist schon oft Weltmeister geworden. Weltmeister der Herzen und Weltmeister in vielen Disziplinen. Viele Stunden von einem exzellenten Training haben sich gelohnt.

Die aktuelle Frage ist – in welcher Hauptdisziplin wollen wir auf Dauer den Titel anstreben.

Mein Wunsch wäre die ganzheitliche Innovationsweltmeisterschaft.

Ich denke, nur sinnvoll umgesetzte – technische und soziale Innovationen werden uns langfristig gesellschaftlich und wirtschaftlich erfolgreich halten.

In der Natur und auch in der menschlichen Geschichte findet langfristig immer wieder ein Ausgleich sehr unterschiedlicher Verhältnisse statt.

Exportweltmeister ist unter gegenwärtigen Umständen teilweise ein zweifelhafter Titel – warum?

Wir sind neben den bisherigen Erfolgen der Wirtschaft zunehmend Export-Weltmeister mit deutschen Talenten & erfahrenen Menschen, die direkt nach der Ausbildung oder mit dem ‚zualt‘ Stempel zunehmend unser Land verlassen. Gerade bei Jüngeren besteht eine zunehmende Bereitschaft das Lebensmodell Praktikum zu verlassen und sein Glück auf anderen Wegen zu unternehmen. Dies hat positive aber auch einige bedenkliche Aspekte, da wir neben motivierten Schaffern auch exzellentes Wissen auf vielen Ebenen brauchen.

Als Exportmeister in der Wirtschaft sollten wir immer schneller sein als der Rest der Welt – dies gelingt uns produktionsseitig und manuell jedoch in immer weniger Disziplinen und teilweise mit neu veredelten, aber „alten“ Grundideen. Somit besteht die latente Gefahr, dass uns mit dieser Strategie, wenn uns keine neuen Innovationsfelder einfallen, sukzessive die Luft ausgeht.

Der Maschinenbau erlebt aktuell in Deutschland seine schwerste Krise, die Automobilindustrie eine unserer wichtigsten Industriebereiche hat schwer zu kämpfen. Es fehlen aktuell innovative Impulse, die eine neue generelle Initialzündung auslösen könnten, denn zu exportierendes Know-How verlangt eben auch Nachschub an Wissen auf vielen Ebenen.

Wir setzen auf eine Abwrackpämie und den krampfhaften Erhalt alter Strukturen die kurzfristig stimmulierend wirken, anstatt mittelfristig mit großen Teilen der vielen Milliarden, neben zwingend notwendigen Infrastrukturmaßnahmen, Bildung und insbesondere auch ganz neue Forschungsvorhaben mit deutscher Beteiligung noch stärker zu innitiieren und dann die notwendige Umsetzung bestmöglichst zu unterstützen.

Vielleicht sogar zu überdenken ob wir wirklich mit Kapital die Problematik lösen können – vielleicht ist der richtige Weg aus dieser strukturellen Situation und diversen Krisen mit ganz anderen Assets zu gestalten.

Wir haben viele tolle Firmen im Land, von denen einige aktuell oder schon lange dazu übergehen ganz bewußt damit zu werben, dass sie ganz oder in weiten Teilen in Deutschland produzieren und somit uns als Verbraucher dazu auffordern auch national zu denken.
Es können und wollen sich jedoch viele Verbraucher nicht auf diese Strategie einlassen – daher ist für alle die, die situativ oder grundsätzlich rein preisgesteuert sind folgende Überlegung für unser Land gegebenenfalls nicht uninteressant.

Wir werden über kurz oder lang nicht umhin kommen, den Verbrauch und Konsum stärker zu belasten als die rein produktive Arbeit. Wenn wir diesen Weg gehen, ist es nahezu irrelevant, wo ein Produkt auf der Welt produziert wurde.
Mit direkter Verursacherbesteuerung und einer erhöhten Konsumsteuer die der Staat – als Überlegung – vorrangig für die soziale Sicherung und seine Verwaltungskosten ausgeben sollte, wäre vermutlich ein extrem wichtiger und stabilisierender Kreislauf geschlossen.

Warum?

Es herrscht Konsens, dass die Lohnnebenkosten zu hoch sind. Mit einer teilweisen Umverteilung könnte hier Abhilfe geschaffen werden.

Desweiteren ist allgemein bekannt, dass die Ausgaben des sozialen Netzes nahezu 1zu1 wieder im inneren deutschen Wirtschaftskreislauf landen. Jeder Hartz-IV Empfänger, nahezu jede/r Arbeitslose, gibt sein Geld der sozialen Transfersysteme direkt im Konsum und tagtäglichen Verbrauch wieder aus. Dieses Geld wird nicht gebunkert sondern landet direkt wieder im Kreislauf.

Genauso sind Kinder bis sie erwachsen sind, rein finanziell betrachtet, sehr teuer und auch hier landet fast jede Geldeinheit direkt im Verbrauch und Konsum. Somit wäre auch das bedingungslose Grundeinkommen für Kinder im Grunde ein Kreislaufgeld.

Geld das zirkuliert, dient Allen.

Wenn wir als Gemeinschaft, dann auch mit dem Geld auskommen, welches wir zirkulieren lassen, könnten wir von den Gewinnen den Exports, dann unsere Schulden langfristig tilgen. Je weniger Schulden wir haben, desto handlungsfähiger könnten wir sein. Mit einer wieder steigenden Handlungsfähigkeit ist vermutlich auch eine höhere Innovationskraft verbunden.

Ich wünsche mir, dass uns der notwendige Trainigserfolg und dann auch die ganzheitliche Innovations-Weltmeisterschaft sehr häufig gelingt.

Ihr

Uli Beck

PS.: Vielleicht brauchen wir auch genügend Künstler und gewissermaßen Medicis im Sinne der florentinischen Renaissance, die Menschen verschiedenster Wirkungkreise zusammenbringen, damit daraus etwas NEUES entstehen kann – zum Wohle ALLER.

gedacht im Juli 2009
Erstveröffentlichung am 27/09/2009