Wachstumsgedanken

Fast gebetsmühlenartig beten viele verantwortliche Persönlichkeiten den Wunschgedanken Wachtum & Vollbeschäftigung daher. Wenn nur in alten Denkmuster verharrt wird, ist dies sicher fraglich – wenn jedoch Potentiale eröffnet werden sollen und Räume geöffnet werden können, ist dies differenziert zu betrachten und jede Idee wert.

Wenn vor über 100 Jahren jemand gesagt hätte, wir brauchen mehr Wachstum in der Landwirtschaft, wir müssen wieder zu den Zeiten zurück in denen jeder mit der Hacke auf dem Feld unterwegs war, wer hätte dies damals oder vor 60 Jahren zu Beginn der Bunderepublik noch geglaubt?

Heute macht, wenn uns kein genialer Gedanke kommt, rings um uns her die Automation jedwede industrielle Handarbeit sukzessive überflüssig. Die Globalisierung und Verlagerung ehemals teilweise deutscher Hochtechnologie tut ihr Übriges.

Wir arbeiten Tag und Nacht daran, unsere Logistik, jedwede Arbeit – bis auf ganz wenige Ausnahmen – intelligenter und rationeller zu machen.

Und – dass ist gut so, wir haben viele tolle Champions die vieles richtig machen. Stillstand ist in gewisser Form Rückschritt – nur müssen wir wieder verstärkt anfangen unsere soziale Marktwirtschaft wieder sozial und ganzheitlich zu denken. Wenn uns kein Wachstumsimpuls für eine aktuelle Vollbeschäftigung mehr einfällt, eben daran zu arbeiten unsere gesellschaftliche Grundlage auf ein Wachstum der Bildung, der Kultur, des eigenen Tourismus und gesamtsozialer Aspekte zu ändern. Hier ist Gehirnschmalz gefordert, der es uns erlaubt in unserem Wohlstand nicht zu akzeptieren, dass immer mehr Menschen ausgelaugt sind – sondern dafür zu sorgen, dass möglichst Alle – sozial kompetent – genug sind auf andere und sich selbst zu achten. Und – wir als große Gemeinschaft individuell davon leben können.

Hierin liegen die wirklichen Herausforderungen unserer Zeit. So wie vor weit über 100 Jahren Bismark die sozialen Sicherungssysteme erfunden hat, somit den Wechsel von der personell intensiven Landwirtschaft zur Industriegesellschaft zu gestalten wußte. Genauso sollten wir heute daran arbeiten unsere Gesellschaft von der personell intensiven Industriegesellschaft hin zu einer neuen Form zu gestalten und nicht versuchen mit alten Rezepten die neue Zeit gestalten zu wollen. Der gegenwärtige Wandel erfordert hochkomplexe – vielleicht sogar sehr einfache – Innovationen im Konsens mit allen Beteiligten.

Vollbeschäftigung mit gestrigen Zahlen wird es vermutlich in keiner Fabrik mehr geben. Außer, die globalen Kosten steigen so stark, dass unser generelles Produktions-Know-How, welches dann hoffentlich noch flächendeckend vorhanden ist, regional verteilt – mit manueller Unterstützung – wieder in erweiterter Form in Deutschland benötigt wird.

Nichts desto Trotz brauchen wir Lösungen, die uns eine Gesellschaftform ermöglicht, die aus sicht selbst heraus durch eine direkte Verursachungs- & Verbrauchsbesteuerung existieren und dann auch wieder partiell wachsen kann.

Wachstum heißt in meinen Gedanken Weiterentwicklung und Denken in neuen Formen, für eine menschliche Form des Miteinanders. Hier ist ein weites Feld mit vielfältigen Betätigungsmöglichkeiten. Wir müssen es uns nur leisten wollen und dann auch können. Manche werden vielleicht sagen, diese Traumtänzerei geht nicht. Nur, weiter so – mit der Fokussierung auf kurzfristige Finanzziele – ist unter gegebenen Rahmenbedingungen nicht zielführend und sollte überdacht werden. Wachstum sollte auf mehreren Ebenen möglich sein um langfristig nicht nur finanziell, sondern auch menschlich erfolgreich zu sein.

Ihr

Uli Beck

gedacht 2006 – 2009
Erstveröffentlichung am 27/09/2009